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27. Nov. 2010

Barbara PhilippVor 40 Jahren flimmerte der erste Tatort über die Bildschirme. Zum Jubiläum geht der Schauspieler Ulrich Tukur mit seiner Assistentin Magda (Schauspielerin, Barbara Philipp) als neuer Kommissar Felix Murot in Wie einst Lilly auf Mörderjagd

Der Edersee liegt im Nebel, leise dringen die Fetzen eines Liedes durch, das irgendwann zu “Lili Marleen” wird. Nicht ohne Grund. “Wie einst Lilly” heißt der Jubiläumskrimi, der zum 40. Geburtstag der “Tatort”-Reihe ausgestrahlt wird. In der Hauptrolle ein neuer Kommissar: Felix Murot, verkörpert von Ulrich Tukur.

Notbremse für Murot
Murot ist eine schrullige Gestalt: Er kleidet sich in Anzug und Mantel, trägt seinen Respekt vor den Toten wie ein Schwert und vertraut nur seiner Assistentin Magda (herrlich bissig: Barbara Philipp), die sich selbst ein bisschen wie ein UFA-Star anzieht. Gleich zu Beginn erhält Murot die Diagnose Gehirntumor und ignoriert sie, lieber stürzt er sich in die Arbeit: Am Edersee ist ein Toter in einem Ruderboot gefunden worden, die Waffe stammt von der RAF. Murots kleine graue Gehirnzellen arbeiten auf Hochtouren. Die Selbstmordtheorie  der hiesigen Polizei will er nicht akzeptieren, dennoch tappt er lange im Dunkeln.
In melancholischen Selbstgesprächen stülpt der Kommissar sein Innerstes nach außen, benennt seinen Tumor nach seiner Jugendliebe Lilly. Das ist Ulrich Tukur wie er leibt und lebt, vielleicht ein bisschen zu sehr der leibhaftige Tukur. Und deshalb ist es gar nicht schlecht, dass es nur einen Murot-Fall pro Jahr geben wird, so bekommt man von dieser ambivalenten Figur erst mal keine Überdosis. Weitere HR-”Tatorte” werden ab 2011 von Joachim Kröl und Nina Kunzendorf bestritten. Die Notbremse für Murot ist schon eingebaut: Kommt der düstere Kommissar nicht an, stirbt er an seinem Tumor. Doch zunächst darf Murot leben. Mal sehen, was von ihm übrig bleibt, wenn sich im zweiten Fall die Nebel gelichtet haben.

Barbara Philipp Nacktfoto

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18. Jan. 2010

Ulrich TukurWomit man den Schauspieler locken kann

Er schauspielert, schreibt Bücher, singt und komponiert für seine Band “Ulrich Tukur und die Rhythmus Boys”. Ulrich Tukur kann man ruhigen Gewissens als extrem vielseitig beschreiben. Eine Fähigkeit, die ihm auch beim Schauspielern hilft: Es gelingt ihm immer wieder in die unterschiedlichsten Rollen zu schlüpfen. Besonders gerne spielt er jedoch zerrissene und abgründige Figuren. In einer dieser Rollen ist er in seinem neuesten Film, dem Zweiteiler “Gier (Sendetermine: 20. und 21. Januar, Das Erste) zu sehen. Tukur verkörpert Dieter Glanz, einen gewitzten Geschäftsmann, der seinen Kunden das Geld aus der Tasche zieht, um sich auf deren Kosten ein Leben im Luxus zu leisten.

Ungewöhnliche Wünsche

Tukur selbst ließe sich nicht mit dem großen Gewinn locken — sehr wohl allerdings mit künstlerischer Freiheit. Die Rolle des Tatort-Kommissar Felix Murot etwa hat ihm zunächst auch nicht so sehr gefallen. “Einen Kommissar zu spielen, ist quälend langweilig”, sagt der 52-Jährige freimütig in einem Interview. “Ich finde es viel interessanter, mordend durch die Lände zu ziehen.” Dennoch hat er sich zu dem Experiment überreden lassen. Seine Bedingung: Er wolle bei Gestaltung der Figur des Ermittlers mitreden und auch ungewöhnliche Wünsche durchsetzen. “Alles, was ich gefordert habe, wurde mir stattgegeben”, berichtet Tukur.”Da saß ich in der Falle.”
Was dabei herauskam, liegt weit jenseits von dem, was man vom “Tatort” gewöhnt ist. Felix Murot ist ein Einzelgänger, ein ewiger Junggeselle. Er kleidet sich elegant, aber immer im selben Anzug. Er ist Zyniker, liebt, wie Tukur, die Musik der 20er Jahre, raucht wie ein Schlot. Er trägt eine Vergangenheit mit sich herum, die ihn belastet — und im Hirn einen Tumor, mit dem er spricht und der seine Wahrnehmung zu schärfen scheint.
Zunächst hat sich Ulrich Tukur lediglich für eine Episode verpflichtet. Die erste Folge wird voraussichtlich im Herbst 2010 im Fernsehen gezeigt.
Ob er als Ermittler weitermacht, will er erst dann entscheiden, wenn diese abgedreht ist. “Ich muss schauen, ob ich das schaffe, ob das eine lebendige Figur wird”, sagt er.

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28. Jul. 2008

Ein Mann mit Weitblick - Welche Parallelen sein neuer Film mit dem Privatleben des Mimen hat

Er ist das, was man ein Multitalent nennt. Ulrich Tukur begeistert auf der Theaterbühne, als Filmschauspieler und als Musiker einer Tanzkapelle. Und auch verkörpern kann der Mime, der am 29. Juli seinen 51. Geburtstag feiert, nahezu jede Rolle: vom Helden über den Bösewicht bis hin zum Komiker.
In seinem neuesten Film “42plus” (seit kurzem im Kino) spielt Tukur einen Arzt, der ein scheinbar idyllisches Familienleben führt. Doch in Wahrheit sieht alles ganz anders aus: die Ehepartner betrügen sich im gegenseitigen Wissen. Als sich im Urlaub überraschenderweise alle an der Beziehungsmisere Beteiligten treffen, droht die Wahrheit ans Licht zu kommen…
Zwei Dinge haben den gebürtigen Hessen an “42plus” besonders gereizt: “Mich hat der Drehort Ischia interessiert. Und dann vor allem das Drehbuch, das auf eine sehr sonderbare Weise die Probleme zweier Ehepaare zeigt, die sich in der Mitte ihres Lebens befinden”, unterstrich der Schauspieler in einem Interview. Der Film zeige laut Tukur den verzweifelten Versuch zweier Menschen, endlich wieder zusammen zu finden.
Im Privatleben hat Tukur es nicht nur beim Versuch gelassen, er hat es geschafft. Seit mittlerweile acht Jahren lebt der Charakterdarsteller mit seiner zweiten Ehefrau Katharina John in Venedig. Ein Umstand, der etwas mit seiner fast gescheiterten Liebesbeziehung zu seiner Frau zu tun hat. “Sie habe ich durch mein Verhalten — was doch recht typisch ist für Männer zwischen 30 und 40, behaupte ich jetzt mal — vergrätzt”, erzählte der Vater zweier Töchter in einem Interview. Daraufhin habe sie sich nach Venedig abgesetzt. “Kaum war die Dame weg, habe ich eingesehen, welch ein Idiot ich gewesen bin. Und bin dann zu Kreuze gekrochen und habe mich entschuldigt.”

Zwei Magnete
Das Paar gab ihrer Ehe noch mal eine Chance. Mit Erfolg: Im Privatleben hat das funktioniert, was im Film zunächst die Paarbeziehung behindert und Tukur nur allzu gut kennt: “Es ist ein seltsames Lebensprinzip, das ich auch bei mir selbst beobachtet habe: Wenn der eine endlich nachgibt, zieht sich der andere zurück. Wie zwei Magnete, die falsch gepolt sind. Wenn der eine will, will der andere nicht.” Doch glücklicherweise kennt er die Lösung: “Die große Aufgabe der Menschen ist, dieses Verhaltensprinzip zu überwinden. Und dann einen schönen Sonnenuntergang ihres Lebens zuerleben.

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