Ist Humor ein guter Beruf?
Dieter Nuhr: Sehr angenehm, ich kann nicht klagen. Ich finde das, was ich mache, erheblich besser, als wenn ich unter Tage arbeiten müsste. Ich glaube, ich habe in meinem Leben nur das getan, was mir Spaß macht. Ich halte das für ein großes Privileg.
Sie haben ursprünglich ein Lehramtsstudium absolviert. Den Beruf haben Sie aber nie ausgeübt.
D. N.: Nein. Ich bin nie auf die Idee gekommen, dass Humor ein Beruf sein könnte. Irgendwann gaben mir die Leute Geld und ich habe gedacht: “Sag nix, sonst wollen sie es wiederhaben.” Das ist wie beim Fußball. Man kriegt Geld für etwas, was einem Spaß macht.
Was sollte ein guter Comedian oder ein Kabarettist an Handwerkszeug mitbringen?
D. N.: Timing spielt natürlich eine wichtige Rolle beim Humor. Am allerschönsten finde ich es allerdings, wenn der Künstler etwas hat, was er sagen möchte. Ich bekomme viele Mails von jungen Menschen, die fragen: “Ich will auch Comedian werden, was muss ich tun?” Denen sage ich, dass das Wichtigste der eigene Schädel ist.
Er dreht ein Ding - Der Komiker spricht im Interview über seinen neuen Film und natürlich über Humor
Nach den beiden Austlügen ins Märchenland mit “7 Zwerge — Der Wald ist nicht genug” und “7 Zwerge —
Männer allein im Wald” kehrt der Ostfriese Otto Waalkes rechtzeitig vor Weihnachten auf die Kinoleinwand zurück. Im Film “Otto’s Eleven” schart der Komiker viele alte neue Freunde um sich. Doch zum vollen Dutzend hat es wie bei seinem Vorbild “Ocean” nicht ganz gereicht.
Auf einer winzigen Insel leben fünf Insulaner: Maler Otto, Koch Pit, Fitnessapostel Mike, Modeguru Oskar und Artur, der per Computer die Verbindung zur Außenwelt hält. Eines Tages sucht Casinobesitzer und Kunstsammler Jean Du Merzac die reizarme Insel auf und bringt Otto arglistig um seinen wertvollsten Besitz: ein altmeisterliches Gemälde. Natürlich helfen Ottos Freunde ihm dabei, sein Bild zurückzubekommen.
Otto Waalkes, der als Hauptdarsteller und Co-Autor mit von der Partie war, spricht im Interview über den neuen Film, über Humor und abstrakte Orte, die der Komik dienen.
Woher kam der Impuls für einen neuen Film?
Otto Waalkes: Einfälle kommen, wenn man darüber nachdenkt. Und “Ocean’s Eleven” hat mir gut gefallen, weil er so locker erzählt war. Ein paar Freunde drehen ein Ding und haben Spaß dabei.
Was schätzen Sie an den Dreharbeiten besonders?
O. W.: Dass man mit alten und neuen Freunden zusammen sein kann und an einem Projekt arbeitet, das allen am Herzen liegt. Das schweißt zusammen.
In Ihrem neuen Film spielen viele Ihrer Comedy-Kollegen mit …
O. W.: Ja, das ist schon ein Vergnügen, wenn man sieht, wie sich Talente entwickeln, davon lerne ich viel. Und manchmal habe ich auch das Glück, ein neues Talent zu entdecken. Schon beim Schreiben denkt man an die Kollegen, die die Rollen spielen werden: Mirco Nontschew ist ein großer Bewegungsakrobat, Rick Kavanian ist ein Dialektkünstler, Max Giermann ist der Parodist, Arnd Schimkat eine valentineske Figur. Wir schreiben ihnen die Rollen auf den Leib, laden sie aber auch ein, selbst mit beizutragen. Das funktioniert sehr gut — die Gemeinschaft stimmt einfach.
Welche Rolle spielt Humor in Ihrem Leben?
O. W.: Gar keine. Quatsch! Komik spielt die Hauptrolle. Man gewöhnt sich einfach daran, überall die komische Seite einer Situation zu suchen. Und manchmal findet man sie auch.
Gibt es auch mal Momente, in denen Ihnen das Lustig-Sein zuviel wird?
O. W.: Kann sein. Aber das fällt anderen gar nicht auf, sie nehmen mich doch sowieso nicht ernst — egal, was ich sage oder tue.
Sie blicken auf eine lange erfolgreiche Karriere zurück Denken Sie auch manchmal ans Aufhören?
O. W.: Ständig habe ich diesen Gedanken. Aber dann kommt gleich der nächste: Ich doch nicht!
Erst der Märchenwald und nun die einsame Insel “Spiegeleiland”. Sie suchen sich gern abstrakte Orte für Ihre Filme aus. Warum?
O. W.: Weil man sich nur abstrakte Orte so einrichten kann, wie man sie gern hätte. So, dass alles da ist, was der Komik dient. Wie im Theater: Wenn im ersten Akt ein Gewehr über dem Kamin hängt, muss es spätestens im letzten Akt abgefeuert werden. Peng!
Der Dessauer wird 75 und kehrt in seine künstlerische Heimat zurück
Er ist Komiker und Kabarettist — ein Mann, der wie kein Zweiter Grimassen schneiden und mit der Stimme jaulen kann. Dieter Hallervorden polarisierte einst das Publikum: Die einen liebten ihn, die anderen fanden das alles zu schrill, zu einfach gestrickt. Doch “Nonstop Nonsens” war der Unterhaltungsmeilenstein aus den späten 70er-Jahren. Er huschte mit Spitzenhäubchen über die Bühne oder fiel durch Türen und Scheiben. Am 5. September wird Dieter “Didi” Hallervorden, hoffentlich unversehrt, 75 Jahre alt. Das Erste würdigt den Künstler am Samstag, 4. September, um 22.45 Uhr mit dem Geburtstagsfilm “Der Überflieger”.
Hallervorden, 1935 als Sohn eines Flugzeugingenieurs in Dessau geboren, studierte Romanistik, Kommunikations- und Theaterwissenschaft in Berlin. 1958 flüchtete er über den Bahnhof Berlin Friedrichstraße in den Westen. Die DDR habe ihn geprägt. “Ich fühlte mich eingeengt in meinen Meinungsäußerungen und in meiner Art, das Leben zu gestalten. Heute würde ich mich als politischen Menschen bezeichnen, und die Wurzeln hierfür liegen in der damaligen Zeit”, verriet Hallervorden in einem Interview.
Riesending
In jungen Jahren hat Hallervorden die Aufnahmeprüfung am Max-Reinhardt-Seminar gemacht. “Abgelehnt, mangels Begabung!”, lautete das Urteil der Leiterin der Schauspielschule. Doch Aufgeben war nicht sein Ding. “Ich will und ich kann!” — das war und ist wohl sein Lebensmotto. Die Bretter der Theaterwelt lockten und er mauserte sich schnell vom Laienspieler an der Unibühne zum Kabarettisten mit eigener Truppe. “Die Wühlmäuse” leitet er bis heute.
Zahlreiche Fernseh- und Filmauftritte folgten. In Serien wie “Abramakabra” oder “Das Läster-Lexikon” zeigte er seine wahre Berufung. Sein Durchbruch kam 1975 mit “Nonstop Nonsens”. Die Serie sei aus einem Kabarettabend heraus entstanden. “Wir haben einfach mal rumgeblödelt. Dass daraus ein Riesending werden würde, hätte ich nie gedacht”, erzählte der Dessauer in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung im Juli letzten Jahres.
Risiko
Seiner Fernseherfolge zum Trotz: Den tollkühnen “Didi” gibt es nicht mehr. Hallervorden macht jetzt ernst und fängt noch mal von vorne an. Neben den “Wühlmäusen”, seiner künstlerischen Heimat, führt der vielseitige Bühnenveteran inzwischen das Berliner Schlossparktheater, das er auf eigene Kosten aufwendig renovieren ließ. Für seine Leidenschaft scheut Hallervorden weder Kosten noch Mühen. Das Risiko, dass er finanziell scheitern könnte, sei ihm bewusst. Aber was sein muss, muss sein. Denn er komme vom Theater und wolle zurück zu seinen Wurzeln.
Für seine handverlesenen Stücke hat er einige namhafte Schauspieler verpflichtet, unter anderem Katharina Thalbach, Hannelore Hoger und Michael Degen. Schließlich wollte er stets ein großes Publikum.
“Meine Entscheidungen habe ich oft aus dem Bauch heraus getroffen. Rückblickend war das gut so”, resümiert der Spaßmacher vom Dienst, der auch mit 75 “nicht aufs Abstellgleis” geschoben werden, sondern unser “Jubelgreis” bleiben will.
Die Supernase hatte den richtigen Riecher und feiert mittlerweile sein 35-jähriges Bühnenjubiläum
Oft kommt es anders, als man denkt. “Ich hatte damals gar nicht vor, in Danny’s Pan aufzutreten. Ich habe da als Student der Architektur immer nur gesessen. Bis ein Freund sagte, Mensch da singst du doch auf jeder Semesterfeier lustiger. Ich habe dann Mein Gott Walther gesungen”, erzählte Mike Krüger in einem Interview. Das war vor 35 Jahren. Damit hat alles angefangen.
Inhalt verschleudert
Sein 35-jähriges Bühnenjubiläum begeht das Urgestein mit seinem neuen Programm „Is’ das Kunst, oder kann das weg?” — zwei Stunden lang eine bunte Mischung aus Stand-ups und erfrischendem Zwiegespräch mit dem Publikum. Mit dabei: die Gitarre. “Es stehen ein paar Umzugskisten auf der Bühne. Die packe ich aus und frage: “Ist das Kunst, oder kann das weg?”. In den Kisten sind Sachen, die uns beim Umzug von Quickborn nach Hamburg in die Hände gefallen sind.” So manchen Inhalt verschleudert Krüger auch an die Zuschauer — die müssen die Frisbeescheibe nur fangen.
Markantes Stupsnäschen
Michael Friedrich Wilhelm Krüger kam am 14. Dezember 1951 als “Frühchen” in Ulm an der Donau zur Welt — auf der Durchreise nach Hamburg. Aus dem süßen Stupsnäschen wurde im Laufe der Jahre eine markante “Supernase”. “Ich habe schon in der Schule versucht, meine bescheidenen Leistungen durch Einlagen wett zu machen. Bei den Mitschülern kam das gut an, vor allem, wenn ich bei Klassenausflügen zur Gitarre griff. Die Lehrer fanden das weniger amüsant.”
Falsche Schlange
1975 ergötzten sich die Hamburger Kneipengäste über seinen ersten öffentlichen musikalisch-komischen Erguss “Mein Gott, Walther”. Kurze Zeit später eroberte Krüger mit dem Lied Platz eins der Hitparade. Fünf Jahre später zog er mit dem “Nippel durch die Lasche” nach, was ihm die Goldene Schallplatte einbrachte. Rund 360 Lieder hat Krüger bei der GEMA angemeldet, die Texte entstehen oft als Folge alltäglicher Ärgernisse oder aus Beobachtungen heraus, “zum Beispiel am Fahrkartenschalter. Da drehte sich neulich ein Mann zu mir um und sagte: “Man steht immer in der falschen Schlange”. So etwas wird dann verarbeitet”.
Preise abgestaubt
Mit Thomas Gottschalk landete er Anfang der 80er-Jahre mit “Piratensender Powerplay” und “Die Supernasen” zwei Kinohits. TV-Sendungen wie “Vier gegen Willi” und “7 Tage-7 Köpfe” haben ihm eine große Fangemeinde eingebracht. Bambis, Goldene Löwen und andere Auszeichnungen müssen von seiner Frau Birgit abgestaubt werden. “Ich bin zum Glück mit einer Familie gesegnet, die mich genauso nimmt wie ich bin, als fröhlichen Menschen.”
Wenn “Mein Gott Walther” nicht so ein Erfolg gewesen wäre, würde Mike Krüger heute als Architekt Hochhäuser in Hamburg bauen. “Aber da das Lied überdurchschnittlich gut lief, habe ich gedacht, lässt du dich mal zwei Semester beurlauben. Dieser Urlaub dauert bis heute.”
Der erfolgreiche Unterhaltungskünstler hat eine Mieze zur Muse
Ein Zappelphilipp des Privatfernsehens findet den Weg in die ARD. Ralf Schmitz konnte schon zu Schulzeiten nicht ruhig sitzen, begeisterte Kleinkunstfreunde mit dem Impro-Theater “Die Springmaus” und landete schließlich bei Sat.1, wo er zuletzt seine eigene ComedyShow “Schmitz in the City” präsentierte. Diesmal moderiert der quirlige Leverkusener zusammen mit Kim Fisher die Show “Die beliebtesten Sketche der Deutschen”, zu sehen am Donnerstag, 12. August, um 20.15 Uhr im Ersten. Nach dem Motto “wer viel zu sagen hat, sollte schnell sprechen” erzählt die Quasselstrippe im Interview, worüber die Deutschen lachen und was mit Schmitz’ Katze abgeht.
Herr Schmitz, scheut man die “gespielten Witze”, wenn man eher aus der Impro-Ecke kommt?
Ralf Schmitz: Ehrlich gesagt, nein. Oder vielleicht doch? Jetzt, wenn Sie es sagen. Ich habe mich nie in Zweifel gestürzt. Da sich selbst der große Altmeister (Loriot) an dieses Thema gewagt hat, dann darf man — in aller Bescheidenheit — keine Angst davor haben. Komisch ist komisch. Welche Variante man benutzt, die Leute zum Lachen zu bringen, ist unerheblich.
Bei solchen Jubiläumsreihen wird man nostalgisch. Wie wichtig waren die FernsehSketche für Sie früher selbst?
R. S.: Wir sind alle aufgewachsen mit Loriot, mit Otto und Jerry Lewis. Heinz Erhardt hat viele Sachen gemacht, die mich beeindruckten — man denke nur an den “G-Sketch”, in dem jedes Wort mit “G” beginnen muss. Ich habe früh angefangen, den Könnern auf die Finger zu schauen.
Beim Wort “Sketch” denkt man ja an etwas Schnelles und Temporeiches. Trotzdem gehören viel Zeitgefühl und Disziplin dazu …
R. S.: Ganz sicher! Sketche sind eine Verkleinerung der großen Welt auf ein Miniaturformat. Da hat man keinen großen ersten Akt, um in aller Ruhe alle Akteure vorzustellen. Es muss jeder Satz sitzen. Wenn nicht alles minutiös geplant ist, verpufft die Wirkung.
Wie sieht der hurederprozentige Gag aus, womit gewinnt man die Deutschen?
R. S.: Man kriegt die Deutschen mit ehrlichen Gags, die nicht krampfhaft irgendwelchen Vorbildern nacheifern.
Ist es dankbar, dass Deutschland ein Land mit so vielen Dialekten ist?
R. S.: Wunderbar. In dieser Hinsicht ist Deutschland köstlich vielfältig. Ich reise ja viel durch die Republik und liebe es, mich vor Ort an jeweils neuen Dialekten auszuprobieren. So etwas kommt natürlich gut an.
Womit kann man Sie zum Lachen bringen?
R. S.: Mit vielen Dingen. Jerry Lewis bringt mich immer zum Lachen. Meiner Katze gelingt das ebenfalls. Die ist mit 24 uralt und macht trotzdem nur Blödsinn. Katzen sind bekloppt, die bringen mich zum Wiehern.
Schmitz’ Katze taucht bei Ihnen häufiger auf. Ist das so eine Art Muse von Ihnen?
R. S.: Wahrscheinlich. Katzen sind so trocken wie sonst kaum ein anderes Tier. Die liegen einfach herum und genügen sich selbst. Katzen bringen eine Selbstverständlichkeit mit, und das macht das Zusammenleben mit ihnen einfach. Aber es stimmt: Meine Katze hat etwas von einer Muse — ihre Art inspiriert mich sehr.
Er ist ein Freund des Normalen. Deshalb lässt sich Bastian Pastewka für seine Sat.1-Comedysendung “Pastewka”, die freitagabends läuft, vom Alltag inspirieren. “Ich sauge manisch all jene Geschichten auf, die sich darum drehen, was man alles aus Konfliktvermeidung falsch macht”, sagte der Komödiant in einem Interview.
Gerne würde er mehr davon sehen: “Die angenehm unspektakuläre Story aus dem Alltag.” Dies hätten einst Serien wie “Kir Royal” oder “Familie Heinz Becker” abgebildet. Da habe er Menschen gesehen, die dem wahren Leben nahe waren.
Mutig, mutig!. Bei den Vorbereitungen der “Red Bull Cliff Diving Series”, einem Wettkampf der weltbesten Klippenspringer in Dubrovnik (Kroatien), stürzte sich Oliver Pocher (31) todesmutig von einer 15 Meter hohen Klippe. Mit den übrigen, durchtrainierten Sportlern konnte der Comedian dann aber doch nicht mithalten.
Geboren am 1.11.1972 in Berlin-Mariendorf
Man glaubt es kaum, aber Mario Barth war als Kind auf einer katholischen Privatschule. Davon ist auf der Bühne nichts zu merken. Respektlos zieht der Komiker sämtliche Klischees über zwischenmenschliche Beziehungen durch den Kakao. Und hat Erfolg damit.
Ob als Gast in der “Schillerstraße”, mit seinem Stand-UpProgramm (z.B. “Männer sind Schweine, Frauen aber auch!”) oder der eigenen Comedyshow “Keine Ahnung!”. Mario Barth gelingt es, mehrere Humorgenerationen vor dem Fernseher zu vereinen.





